Ein Kardiologe erklärt: 3 Gründe, warum Sie Ihren Blutdruck nach dem 60. Lebensjahr nicht mehr am linken Arm messen sollten.

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Die Geschichte eines Fehlers
Neulich kam eine Patientin zu mir, nennen wir sie Ljubow Andrejewna. Eine ältere Dame, unglaublich diszipliniert. Sie trägt immer ein kostbares Notizbuch in ihrer Handtasche.

Alle ihre Messwerte sind darin ordentlich und sauber notiert. Jeden Morgen, jeden Abend. Und die Zahlen überall sind beeindruckend. 125 zu 80, 130 zu 85. Für sie, mit 64 Jahren, sind das Werte, um die man sie nur beneiden kann.

Sie klagt: „Doktor, ich halte mich an alles! Ich nehme Ihre Tabletten und verzichte auf Salz. Aber mein Kopf fühlt sich immer noch an wie ein eiserner Klotz, und mir wird schwindelig. Gestern wäre ich fast ohnmächtig geworden, als ich meinen Enkel von der Kita abholte.“

Ich nehme schweigend das Blutdruckmessgerät. Zuerst messe ich an meinem linken Arm – ja, 128 zu 82. Dann bitte ich sie, ihren rechten Arm freizugeben. Ich bewege die Manschette. Und auf dem Bildschirm sehe ich 165 zu 100.

Ljubow Andrejewna wurde kreidebleich. Sie hatte die 165 einfach „verschlafen“. Sie hatte sie seit Monaten nicht mehr gesehen, weil sie sich daran gewöhnt hatte, nur einer Seite zu vertrauen.

Warum ist die linke Hand nach dem 60. Lebensjahr oft der schlechteste Ratgeber? Betrachten wir das einmal genauer, ohne medizinische Spitzfindigkeiten.

Der erste Haken: Blutgefäße altern ungleichmäßig.
Stellen wir uns unsere Arterien wie das Rohrsystem eines alten Hauses vor. Dieses Haus steht seit über sechzig Jahren. An manchen Stellen sind die Rohre innen sauber, an anderen haben sich im Laufe der Jahrzehnte Ablagerungen gebildet.

In der Medizin nennen wir das Arteriosklerose. Es ist keine Horrorgeschichte, sondern einfach eine Tatsache unserer Biologie, das Ergebnis eines langen Lebens.

Das Problem ist, dass diese Ablagerungen nicht gleichmäßig im Körper verteilt sind. Sie können sich beispielsweise die linke Schlüsselbeinarterie „aussuchen“.

Das Gefäß verengt sich leicht und verliert an Elastizität. Das Blut fließt durch diese Verengung mit reduziertem Druck und ist dadurch nur schwer durchgeflossen. Was macht Ihr Blutdruckmessgerät? Es misst diesen niedrigen Druck am Ausgang und zeigt einen niedrigeren Wert als den tatsächlichen an.

Tatsächlich zeigt Ihr linker Arm vielleicht 120 an – und Sie fühlen sich damit wohl. Gleichzeitig steigt der Druck in der Hauptschlagader, die das Gehirn mit Blut versorgt, auf fast 160.

Wir nennen das eine „versteckte Gefahr“. Sie wähnen sich in Sicherheit, aber in Wirklichkeit arbeiten Ihre Blutgefäße unter Volllast. Und das alles nur, weil ein Gefäß in Ihrem Körper etwas stärker verstopft ist als das andere.

Eine weitere subtile Folge ist die sogenannte „Verdrängung“ von Blutgefäßen. In der Medizin spricht man hier vom Steal-Syndrom.

Um es an einem Beispiel zu verdeutlichen: Hierbei beginnt eine Arterie, einer anderen Blut abzuzapfen und sich deren knappe Ressource anzueignen.

Mit zunehmendem Alter kann sich unser Blutfluss auf ungewöhnliche Weise verändern. Verengt sich ein Blutgefäß auf einer Körperseite, versucht der Körper, dies auszugleichen.

Er beginnt, Blut aus anderen Quellen zu entnehmen, um den Arm oder das Gehirn zu versorgen. So kommt es, dass der Blutdruck in den Armen zu schwanken beginnt.

Beträgt der Unterschied zwischen rechter und linker Seite mehr als 10–15 Einheiten, ist dies ein ernstzunehmendes Warnsignal.

Tatsächlich ist diese Blutversorgung jedoch asymmetrisch. Misst man den Blutdruck nur am gewohnten linken Arm, riskiert man, nie zu bemerken, dass der Körper längst in den Notfallmodus geschaltet hat. Man sieht schlichtweg nicht das ganze Bild.

Grund drei: Die Tücke der „stillen“ Hypertonie
Viele meiner Patienten sind überzeugt, dass sie hohen Blutdruck definitiv spüren werden. Sie berichten von Nackenschmerzen oder einem roten Gesicht. Aber hier ist der Haken: Ab 60 Jahren nimmt die Empfindlichkeit unserer Rezeptoren ab.

Der Körper scheint sich an hohe Werte zu gewöhnen. Er passt sich dem Negativen an und betrachtet es als Normalzustand.

Sie werden die gleichen 160 an Ihrem rechten Arm nicht mehr spüren, weil Ihr Körper diese Signale nicht mehr so ​​deutlich wahrnimmt. Ihre Blutgefäße sind jedoch jede Sekunde enormen, zerstörerischen Belastungen ausgesetzt.

Deshalb betone ich immer wieder: Ab 60 Jahren sollten wir einarmige Messungen vergessen. Genauigkeit ist in dieser Hinsicht keine Frage des Arztwillens, sondern Ihre persönliche Absicherung gegen die unangenehmsten Szenarien.

Was ist also der richtige Weg? Mein bewährter Algorithmus.
Ich möchte Ihnen keine Angst machen. Ganz im Gegenteil; ich möchte Ihnen einen klaren Plan an die Hand geben, mit dem Sie wieder die Kontrolle über Ihre Gesundheit erlangen.

Die Regel ist einfach, hat aber schon Hunderten meiner Patienten geholfen.

Schritt eins: Testen Sie beide Arme.

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