Solche „Persönlichkeitstests“ sind ein typisches Beispiel für virale Internetinhalte, die mit einfachen Entscheidungen große Neugier erzeugen. Die Idee klingt spielerisch: Man wählt spontan ein Bild – in diesem Fall einen Nagel – und erhält anschließend eine Beschreibung des eigenen Charaktertyps oder sogar eine Einordnung in bestimmte Persönlichkeitsschubladen. Doch was steckt wirklich dahinter?
Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass solche Tests keine wissenschaftlich anerkannten psychologischen Instrumente sind. Sie basieren nicht auf standardisierten Verfahren der Persönlichkeitsdiagnostik, wie sie in der Psychologie verwendet werden. Stattdessen handelt es sich um kreative Zuordnungssysteme, die symbolische Bedeutungen mit visuellen Reizen verbinden.
In der klassischen Psychologie werden Persönlichkeitsmerkmale durch validierte Modelle beschrieben, etwa durch das sogenannte Big-Five-Modell. Dieses unterscheidet zwischen fünf grundlegenden Dimensionen: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und emotionale Stabilität. Solche Modelle entstehen durch umfangreiche Forschung und statistische Analysen. Ein Bildauswahl-Test im Internet folgt dagegen meist einem vereinfachten Muster: Eine visuelle Präferenz wird einer vordefinierten Beschreibung zugeordnet.
Wenn man sich beispielsweise vorstellt, zwischen verschiedenen Nageltypen zu wählen – etwa schlicht, elegant, auffällig oder verspielt –, werden diesen Entscheidungen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Ein schlichter Nagel könnte für Zurückhaltung und Bodenständigkeit stehen, während ein auffälliger, dekorierter Nagel mit Selbstbewusstsein und Kreativität verbunden wird. Diese Zuordnungen sind jedoch nicht individuell gemessen, sondern allgemein konstruiert.
Der Reiz solcher Tests liegt weniger in ihrer Genauigkeit als in ihrer Unterhaltung. Menschen reagieren intuitiv auf Bilder und neigen dazu, sich in Beschreibungen wiederzufinden, selbst wenn diese sehr allgemein gehalten sind. Dieses Phänomen wird in der Psychologie als Barnum-Effekt bezeichnet. Dabei empfinden Personen vage formulierte Aussagen als erstaunlich treffend auf sich selbst zutreffend.
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